Trauer bei Kindern

Kinder trauern anders als Erwachsene - in plötzlich auftretenden heftigen Schüben. Danach scheint wieder alles gut. Doch dem ist oft nicht so. Eltern müssen viel Geduld aufbringen.

Erst mit neun oder zehn Jahren können Kinder überhaupt realisieren, dass der Tod das unwiederbringliche Ende des Lebens bedeutet und auch das eigene Leben enden wird. Vorher gehen Kinder mit dem Thema Tod meist interessiert, aber sachlich um, denn sie sind der Überzeugung, dass tote Tiere und Menschen irgendwann wieder auferstehen.

Manche Erwachsene befremdet es auch, dass ihr Kind zuerst scheinbar keine Reaktion zeigt auf eine Todesnachricht, dann aber unvermittelt heftig reagiert. Wenn Kinder trauern, tun sie es in plötzlich auftretenden Schüben.

 

neun Monate bis ein Jahr

  • Verlust und Trennungsangst schlagen sich in symbolisierten Riten des “Da/Nicht-Da” Spielens nieder.
  • Weg sein und tot sein ist gleichbedeutend.
  • Das Kind im nichtsprachlichen Stadium erkennt zwar nicht den Tod, es erkennt aber die Abwesenheit eines Menschen.
  • Das Kind erlebt in dieser Zeit einen Verlust ausschließlich durch traurige Stimmung und Gefühle.
  • Möglich ist die Unterscheidung zwischen belebt und unbelebt.

 

ein Jahr bis drei Jahre

  • Das Kind kann noch sehr wenig oder gar nichts mit dem Begriff Tod anfangen. Es reproduziert aber sehr früh Verlust und Tod (Streichholz anzünden, um es dann ganz schnell wieder auszublasen).
  • Die Endgültigkeit des Todes wird nicht erfasst (Rollenspiele, z.B. nach Verkehrsunfällen: Du bist jetzt schnell tot, nachher aber bist du wieder lebendig).
  • Die Beobachtung von belebt und unbelebt wird ausgedehnt.


vier Jahre

  • Das Kind gewinnt langsam eine gewisse Vorstellung vom Tod. Es benutzt das Wort; die entsprechende Empfindung dazu aber fehlt noch.
  • Kinder in diesem Alter nehmen noch nicht an, dass sie selbst einmal sterben müssen.
  • Die Beobachtung von belebt und unbelebt wird ausgedehnt.
  • Das Kind konfrontiert den Tod in rituellen Spielen (Indianer, Krieg, ...).
  • Auch Getier wird verfolgt und oft grausam gequält und getötet.

 

drei bis fünf Jahre

  • Dem Kind ist nicht klar, dass der Tod unvermeidlich ist. Im Gegenteil: Das Kind glaubt in einer “magischen Phase” den Tod durch bestimmte Verhaltensweisen vermeiden zu können (Verstecken!).
  • Einige Menschen müssen sterben (alte), die meisten aber nicht (junge Umwelt der Kinder).
  • Der Tod wird als vorübergehender Zustand (Reise oder Schlaf) angesehen.
  • Äußere Gewalteinwirkung wird als Todesursache erlebt, innerorganische Ursachen noch nicht.


sechs bis acht Jahre

  • In diesem Alter beginnt die personifizierte Vorstellung vom Tod (Engel, Sensenmann, Skelett).
  • Kinder beschäftigen sich gern mit der Peripherie des Todes (Grab, Beerdigung).
  • Es tauchen jetzt Gefühlsreaktionen auf, die vom Kind auch bewusst erlebt werden (das Kind macht sich jetzt z.B. Gedanken, ob auch seine Mutter sterben könnte).
  • Gedankliche Verknüpfungen werden jetzt hergestellt (erlebtes Sterben im Krankenhaus => auf Krankenhaus folgt immer Sterben => Kind will nie ins Krankenhaus).
  • Das eigene Sterben wird noch (wissentlich) geleugnet/verdrängt. Mit ca. acht Jahren aber auch als eigenes Schicksal angenommen.
  • Das sachliche Interesse am Tod ist jetzt am größten.
  • Jetzt taucht die Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, auf.


ab neun Jahren

  • Das Kind stellt die Beziehung zu logischen und biologischen Tatsachen her (kein Puls, keine Temperatur, keine Atmung => Tod!).
  • Das Kind richtet seine Aufmerksamkeit jetzt direkt auf den Tod, nicht mehr nur auf die Peripherie.
  • Ab neun Jahren nimmt parallel mit dem Bewusstsein, selbst älter zu werden und einmal sterben zu müssen, sein Interesse am Tod zu.
  • Der Tod wird als Strafe für alles Schlechte, was man getan hat, gesehen. 


ab ca. zwölf Jahren

  • Jugendliche ordnen den Begriff “Leben” Menschen, Tieren und Pflanzen zu. Sie können unterscheiden zwischen Formen des Lebens, dem eigenen Ich und der übrigen Realität.
  • Sie können die Endgültigkeit und die weitreichende, unausweichliche emotionale Bedeutung des Todes erkennen.
  • Alle wesentlichen Denkmuster, die auch die Erwachsenen haben, sind ihnen gedanklich zugänglich.
  • Abwehr und Unbehagen dem Tod gegenüber können sie rau formuliert zum Ausdruck bringen oder skeptisch sachlich als unausweichliches Ereignis am Lebensende ansehen.
     

Quelle: Dafür bist Du nicht zu klein.... Mit Kindern über den Tod sprechen. Altersentsprechende Entwicklung des Todeskonzeptes beim gesunden Kind
nach Wintsch, Wittkowski, Zengaffinen, Löble